Es war einmal.......

Die „Blauen", wie der Volksmund den Sportverein Flörsheim noch heute nennt, wurden im Januar 1909 von einer kleinen Schar junger Männer gegründet. Es handelte sich wohl um die gleichen Gründer, die schon im Jahr zuvor, „paar Tag vor Fassnacht, den 1. Flörsheimer Ballspielclub“ ins Leben gerufen hatten.

Hören wir was uns die Chronik des Sportvereins darüber zu erzählen weiß:

„Es war im Januar des Jahres 1908, als aus dem damaligen Kaisersaal (heute Sängerheim) einige junge Leute mit sonderbaren blau-weißen Mützen auf dem Kopf, auf die Straße stürmten. Sie sahen recht possierlich aus, gerade wie Jockeys. Die Anwohner der Eisenbahnstraße glaubten Mitglieder eines Reitclubs oder, der fünften Jahreszeit entsprechend, eines Karnevalvereins vor sich zu sehen. Man wusste wirklich nicht wohin man die weiß-blauen Kappenmänner stecken sollte. Schließlich entdeckte ein ganz Schlauer, dass einer dieser „Jockeis" einen dicken Lederball unter dem Arm trug. Und wirklich dies waren die ersten Flörsheimer Fußballer, die da von der Gründungsversammlung des „Flörsheimer Ballspielclubs" kamen, um zu ihrem ersten Training, hinaus ins freie Feld zu stürmen."

Einer der Aktivisten war Alfred Demmerle. Die „Flörsheimer Zeitung" schrieb über den Vorkämpfer:

„ Demmerle hat den Fußballsport in Flörsheim eingeführt. Er, der von Bonn nach Flörsheim kam und bei dem FC „Preußen" Bonn spielte, gründete mit einigen begeisterten jungen Leuten in der Gaststätte „Adler" den Ball-Spiel-Club 07. Demmerle war der Einzige der bereits spielen konnte und in den ersten Spielen der Turm in der Schlacht." Doch trotz aller Energie den Fußballsport hier heimisch zu machen, scheiterte das Vorhaben an den „nackten Knien", und den all zu „kurzen" Hosen, diese gaben den Spießbürgern Anlass gegen den „rohen" und „ungesitteten" Sport Stellung zu nehmen. Und da er auch den Behörden ein Dorn im Auge war, verschwand der „Bubeclub", wie man ihn nannte, schon in seinem Gründungsjahr wieder von der Bildfläche. Doch die Fußballbegeisterten schliefen nicht.

Der zweite Anlauf

Am 18. Januar 1909 wurde im „Scharfen Eck" (heute zur Eintracht) der 1. Fußballclub Allemania 1909, 1913 geändert in Sportverein 09, gegründet. Die alten Schwierigkeiten, verursacht von den Spießern von gestern, traten von neuem in Erscheinung. Von einer Wiese zur anderen, von Stoppelacker zu Stoppelacker, jagte der Feldhüter die spielwütigen Kicker. Es waren Sonntage darunter, da wurden 4-5 verschiedene Äcker beackert, bis das Match beendet war. Oft waren gerade eben die Tore aufgeschlagen und das Spiel fünf Minuten am Laufen, da befahl auch schon der „Schütz" mit seinem donnernden: „Abtrete!" den Abbruch des Spiels.

Als es dem Verein gelang von einem hiesigen Landwirt eine Wiese zu pachten, um einen eigenen Sportplatz zu haben, da machte man behördlicherseits dem Bauer derartig Schwierigkeiten, dass dieser sich genötigt sah, die vereinbarte Pacht rückgängig zu machen. Damals war es der Turnverein von 1861, der in liebenswürdiger Weise seinen Turnplatz zur Verfügung stellte, damit die Fußballer trainieren konnten. Man widmete sich aber nicht nur dem Fußballspiel, sondern trieb eifrig Leichtathletik. Auf der Weilbacherstraße sah man des Abends die Wettläufer und Wettgeher. Gar manche Siegestrophäe wurde nach Hause gebracht. Erinnert sei nur an die Teilnahme bei den großen olympischen Spielen in Raunheim, wo die Hiesigen viele Preise errangen. Zwischenzeitlich wurde aber auch eifrig mit dem Ball „gekickt" und die Zeit des ersten Wettspiels gegen den F.C. Eichelkranz Rüsselsheim kam. Rüsselsheim siegte über die unerfahrenen Flörsheimer. Dagegen endete schon das nächste Treffen in Hochheim mit einem 2:1 Sieg. Die Zahl der Anhänger und Spieler wuchs. Da man keinen Sportplatz hatte, ging man hinaus in die Riedwiesen, auf Stoppeläcker oder was sonst gerade geeignet schien. Es war jedes Mal ein interessanter Zug, der sich vom Vereinsheim aus in Bewegung setzte. Vorweg die Platzordner, die Torstangen geschultert, dann die Spieler, einige Anhänger und Freunde, hintennach in angemessenem Abstand, der Feldschütz mit seinem großen Hund und zum Schluss der Diener der Ortspolizeigewalt in Uniform und umgeschnallt. Nichtsdestoweniger klang es freudig aus begeisterten Kehlen: „Solang das Fußballspiel starke Männer macht....!"

So fanden noch vor dem Krieg, die Kämpfer für eine gesunde, sportgestählte Jugend, „weitgehendste Beachtung", seitens der Behörden. Trotz alledem wurde die Zahl der Mitglieder und Anhänger stetig größer. Überall in der näheren Umgebung wuchsen Fußballvereine empor. Jeden Sonntag fanden Wettspiele statt und die zahlreichen Diplome und Ehrenpreise, im Vereinslokal ausgestellt, sind beredte Zeugen, für das damalige Können des Sportvereins 09. Mitten in das Aufblühen platzte 1914 der Krieg. Viele aktiven Spieler eilten zur Fahne. Wurde aber einem der Aktiven nur ein Tag Fronturlaub gewährt, so nahm er seinen „Koffer" unter den Arm und ging mit, um zu spielen.

Selbst als Soldat ging ihnen der Fußball über alles.

Leider sind sechs der Besten nicht mehr heimgekehrt. Sie fanden fern der Heimat den Heldentod. Es waren dies:

Hans Berkert,

Wilhelm Dienst,

Heinrich Euler,

Adam Messerschmitt,

Anton Müller,

Sebastian Thoma

Nach dem Kriege, 1919, kam neues Leben in den deutschen Sport. Die Zahl der Sportvereinsmitglieder wurde größer und größer. Waren es früher eine, höchstens zwei Mannschaften, so standen auf einmal 4-5 sonntäglich im Feld. Der Sportverein trat dem Süddeutschen Fußballverband und dem Deutschen Fußballverband bei. Von nun an begannen die Verbandsspiele. Als Neuling kam Flörsheim in die unterste, die C-Klasse. Gleich in der ersten Saison errangen die 09er den Titel. Im folgenden Jahr wurden sie Meister der B-Klasse. Als aufstrebende Sportgemeinde fand unser Flörsheim in der näheren und weiteren Umgebung starke Beachtung. 1928 wurde nach heißen Kämpfen die Meisterschaft erzielt. Der Sportverein kam in die höchste Klasse, - die Liga! Weiter ging das Streben der Vereinsführung und der 1. Mannschaft und so konnte auch in der Liga die Meisterschaft errungen werden.

Die Sportplatzfrage

Ein Wehmutstropfen, trotz all der Erfolge, blieb die leidige Sportplatzfrage. Wohl war ab August 1923 die Benutzung des Riedschulhofes, nach jahrelangem Kampf um eine Sportstätte, offiziell und jetzt auch mit Erlaubnis höchster behördlicher Stellen genehmigt, doch die Abmessungen des Platzes hatten mit den vom Fußballbund vorgegebenen Maßen recht wenig zu tun. Zu kurz, zu schmal und ein Untergrund ohne Grasbelag. stattdessen hart wie Beton. - Einfach eine 'Schande für einen Verein -der 1928 immerhin 240 Mitglieder zählte und 3 Herren und 2 Jugendmannschaften unterhielt und somit in der Flörsheimer Sportbewegung mit an führender Stelle und durch die Erringung der Kreismeisterschaft des Rhein-Main-Gebietes weit über Flörsheims Mauern bekannt geworden ist!

Vor 1923 hatte der Verein einen provisorischen Platz am Neuwingertsweg, (heute Hauptstraße). auf diesem Gelände, in direkter Nachbarschaft des Schohl-Hauses, wurden 1925, durch einen Gemeindebeschluss, von Flörsheimer Erwerbslosen, die so genannten Serbenhäuser gebaut. Doch jetzt als Meister-Mannschaft war ein, den Statuten entsprechender Sportplatz notwendiger denn je. Mit vielen Mühen und Opfern gelang es den Fußballbegeisterten 09ern Anfang August 1928 ein Ackergelände am Jahnweg, in direkter Nähe des Friedhofes zu pachten. Um angemessene Unterstützung finanzieller Art wurde die Gemeinde gebeten. Die Vereinsführung der „Blauen" begründete ihre 3000 Mark Forderung an Bürgermeister Lauck wie folgt:

,,....Da der jetzige Sportlatz (Riedschulhof) -ein Steinboden im wahrsten Sinne des Wortes - bewiesen hat, dass er nicht nur unmöglich sondern direkt lebensgefährlich ist und wir es von Seiten des alten Kreises in Punkto Spielplatz nur zu einem Spielplatzplan gebracht haben und dadurch gezwungen waren, uns ein passendes Ackergelände zu pachten, bitten wir die Gemeindevertretung höflichst, uns wenigstens zur Einfriedung des Platzes und Erstellung von Umkleideräumen, Platzgeländer pp. Was alles zusammen ungefähr 3 000 Mark kosten wird, eine angemessene Unterstützung gewähren zu wollen, da unser Verein trotz der Sportplatzeinnahmen, die restlos für den Spielbetrieb aufgehen, nicht in der Lage ist, die fragliche Summe aufzubringen "

Der von der SPD eingebrachte Antrag, auf Gewährung des gewünschten Zuschusses, wurde von der Mehrheit der Gemeindevertretung gewährt, so dass das Sportverein-Vorhaben gelang.

Die größeren Ausmaßen des Spielfeldes verfeinerte die Technik der spielenden Mannschaften und so war man sich unter den Experten sicher, dass die „Blauen" recht bald zum nächsten Höhenflug ansetzen.

Die dunkelste Stunde des Sportvereins

Da wurde dem Verein im Frühjahr 1932 je „Halt!" geboten. In der Laudatio der „Flörsheimer Zeitung" zum 25jährigen Vereinsjubiläum der 09er heißt es dazu:

„Neid und Missgunst mancher Nachbarn wollten den Sportverein zur Auflösung zwingen. Monatelang ruhte der Spielbetrieb. Gerade in dieser schweren Zeit offenbarte sich deutlich, wie tief der Sportverein mit der einheimischen Bevölkerung verbunden ist. Der Glaube an den Sieg der Gerechtigkeit ließ Mitglieder, Anhänger und Bevölkerung ausharren. Flörsheim blieb seinem Sportverein treu. Mit neuer Hoffnung ging es in die Saison, die die anfänglich geschwächte 1. Mannschaft glänzend überstand Neueinteilungen im Sommer 1933, setzten den Sportverein, der von allen umliegenden Vereinen allein in allen Klassen die ,Meisterschaft erzielte und sich jeweils die nächst höhere Klasse erkämpft hatte, zurück in die Kreisklasse. Das Jubiläumsjahr 1934 stand bevor. In zäher Ausdauer wurde auch heuer wieder der stolze Meistertitel von der 1. und 2. Mannschaft errungen. Fürwahr das würdigste Geschenk, dass die beiden Elfschaften dem Verein zu seinem Jubiläum übergeben konnten."

Welche Schandtaten die 09er begangen hatten, lässt sich aus dem Artikel nicht einmal erahnen. Deshalb und im Sinne der Aufklärung:

Sportverein 09 Flörsheim schwer bestraft.

Nachdem das Meisterschafts-Entscheidungsspiel zwischen dem SV 09 Flörsheim und S.C. Opel Rüsselsheim, welches vor 2000 Zuschauern auf einem neutralen Platz in Wiesbaden stattfand, 14 Minuten vor Ende der Partie wegen harter Gangart der Spieler und Zuschauerausschreitungen vom Referee abgebrochen werden musste, machte man insbesondere den Flörsheimern den Prozess.

Die „Flörsheimer Zeitung" schrieb am 10.März 1932 zu den unerfreulichen Machenschaften:

„Unwahrheiten des Schiedsrichters verursachten allzuhohe Strafen gegen die Spieler Rathmann, Hartmann und Blisch. Glatte Lügen bringen den Spielern Wießmann und Wagner völlig ungerechte Disqualifikationen ein. Nachstehend das Urteil:

Der Sportverein 09 wird gemäß Nr.23/104 sechs Monate disqualifiziert. Ferner wird gegen ihn Antrag auf Ausschluss aus dem Verband gestellt. Weiter erhält der Sport-Verein 09 eine Geldstrafe von 20 Mark.

Die Spieler Hans Wießmann, Johann Rathmann, Willi Hartmann, Franz Wagner und Hans Blisch werden für ein Jahr gesperrt. Auch gegen sie wird vorsorglich Antrag auf Ausschluss aus dem Verband gestellt. Weiterer Antrag auf Aufnahme in die schwarze Liste des Verbandes wurde gegen das Nichtmitglied Nikolaus Blisch gestellt. Flörsheim wird ferner zum Ersatz eventuell entstehender Arztkosten verurteilt. Das Sportgericht behält sich vorsorglich die Wiederaufnahme des Verfahrens vor, falls durch das ordentliche Gericht weitere Täter namhaft gemacht werden.

Obiges Urteil dokumentiert erneut die gewisse„ Vorarbeit " die von unseren „Nachbarn ' geleistet worden ist und die bei einzelnen Behördenmitgliedern mit Wohlgefallen dazu benutzt wurden, den Flörsheimern eins auszuwischen. Gerade jetzt rufen wir den Spielern und Anhängern zu, treu zur Fahne zu stehen, denn es wird immer heißer gekocht, als gegessen wird."

Und tatsächlich kamen auch, zumindest fußballerisch gesehen wieder bessere Zeiten. Die Höhepunkte in der Vereinsgeschichte des Sportvereins 09 standen kurz bevor. 1936 spielte die 1. Mannschaft um den „Tschammer Pokal", vergleichbar dem DFB-Pokal von heute, ihre bisher erfolgreichste Rolle. Bis heute bleiben die Spiele der „Blauen" bei der Eintracht aus Frankfurt und Zuhause gegen den damaligen deutschen Spitzenclub Waldhof Mannheim unvergessen.

Flörsheims Weg im „Tschammer-Pokal" 1936.

Höchst : Flörsheim 0: 3

Flörsheim : Dotzenheim 3:1

Flörsheim : Walldorf abgebrochen

Walldorf : Flörsheim 0:1

Bergen : Flörsheim 3:3

Flörsheim : Bergen 3:0

Sensationell: Eintracht Frankfurt :Sportverein 09 Flörsheim 1:2.

Des Sportvereins Flörsheim rühmliche Tat!

Frankfurts Spitzenverein Eintracht 2:1 geschlagen.

„Warum soll?" -

„Na ja, möglich ist Alles - aber bedenken Sie unsere Elf ist bis auf Gramlich komplett. Leute wie Schmitt im Tor, Stubb, der vielfache deutsche Verteidiger bei Länderspielen und Leis bewährt in großen Kämpfen die lassen sich von dem Flörsheimer Sturm nicht schlagen. Dazu kommt die gewaltige Überlegenheit der Läuferreihe und die fünf Kanonen im Sturm! - Was stellen sie dagegen?"

„Wir haben eine kleine flinke und tapfere Elf, die anpassungsfähig ist, solange sie der zurzeit vorzügliche Mannschaftsgeist beherrscht. Wir werden verlieren, wenn es geht aber in allen Ehren!"

So ungefähr lautete das Gespräch, das ich als Berichterstatter der Flörsheimer mit einem Herren der „Eintracht" kurz vor Beginn führte Bescheiden und schlicht warteten wir auf eine Niederlage, die vielfach mit 3:1 als günstig für uns getippt wurde. Allerdings gab es auch Flörsheimer, die von Vorahnungen getrieben einen Sieg erwarteten, doch dürften diese von den ca. 400 Schlachtenbummlern nur 2-3 gewesen sein. Dass es schließlich kam, was diese „Einzelgänger" erhofften, das war nur möglich durch Flörsheims Willen dem großen Gegner Achtung abzugewinnen. Mit diesem 2:1 Sieg, der ab der 35 Minute mit nur 10 Mann erfochten wurde, ist die ruhmreichste Tat in dem Sportverein 09 Geschichte vollbracht worden. –

90 Minuten Kampf.

Zwei Minuten vor 3 Uhr sprang die Flörsheimer Elf mit: Eckert; Dienst, Richter; Horas, Hartmann, Blisch; Rath, Wagner Hans, Ruppert Josef, Staubach und Becker, gefolgt von den Mannen der „Eintracht" ins Feld.

Flörsheim hatte in der ersten Halbzeit den Wind als Bundesgenossen. Mit Schneid zogen die Hiesigen sogleich vor das Eintrachttor und schon jetzt hätte Frankfurts Hintermannschaft erkennen müssen, wie gefährlich die Schnelligkeit der Gäste ist. Die Frankfurter spielten mit Ruhe den Ball von Mann zu Mann, doch in der Flörsheimer Spielhälfte gab es kein langes Besinnen. Wuchtig fuhren Dienst und Richter dazwischen, gut unterstützt von Hartmami, Blisch und Horas. Immer wieder kamen die Frankfurter um den bekannten Bruchteil zu spät. Das dabei die kleinen Flörsheimer mit mehr Schwung kämpfen mussten, um den bedeutend größeren und schwereren Eintrachtlern beizukommen, das war logisch. Richter trat 2-3 Mal im Sprung den Ball weg. Verwarnungen blieben nicht aus, obgleich es gefährlicher aussah, als es war. (Wir wollen nichts beschönigen, unfair war Richter nicht. Wenn ihn dennoch der Schiedsrichter bei der 3. Verwarnung herausstellte, so wollen wir uns als Sportler damit abfinden, denn seine „Auffassung" ist allein maßgeblich.) Ein von ihm verschuldeter Strafstoß trat Elmer auf das Tor. Eckert nahm das „Ding" liebevoll in seine „Patschhändchen". Flörsheims Sturm brach immer wieder durch. In der 15. Minute gab Hartmann zu dem rechten Flügel, Becker umspielte Stubb und lief dem Tor zu, bedrängt von Fürbeth und gab den Ball ca. 12 Meter an den herbeieilenden Rath, dessen flacher Schuss ein selten schönes Tor gab. 1:0 Die Frankfurter spielten nun etwas massiver. Strafstöße auf beiden Seiten waren die Folge. Eckert wurde auf dem Ball liegend von Schmitt getreten. Hartmann bekam einen Tritt in den Leib. Bei einem Zusammenprall Dienst's mit dem Frankfurter Rechtsaußen lief ein Zivilist ins Spielfeld und wurde ungestraft gegen Dienst tätlich! Bis zur Halbzeit hielten die Flörsheimer tapfer durch. - Nach der Pause erwartete man die Offensive der Gastgeber. Stattdessen griffen die kleinen blauweißen Bezirksklassen-Spieler erneut an. In der 9. Minute der zweiten Halbzeit winkte der zweite Erfolg. Rath flankte gut aufs Tor, der Drehball glitt dem Torwächter aus den Händen, und Ruppert gab den Gnadenstoß. 2:0.

Flörsheims Anhänger waren außer sich vor Freude. Daran änderte auch nichts, dass 3 Minuten später aus Abseitsstellung Elmers das Gegentor fiel, 2:1. Mit allen Mitteln versuchten die Frankfurter den Ausgleich zu erzwingen. Eisern standen die Hiesigen auf ihren Posten. Da geschah etwas Unerhörtes. Eintrachts Mittelstürmer Schmitt wurde gegen Horas tätlich. Sein Platzverweis war gerecht. Horas wurde hinausgetragen. 9 Flörsheimer kämpften jetzt eine Zeitlang gegen 10 Frankfurter. Die letzten Minuten verliefen äußerst dramatisch. Während eine Partei um den Sieg bangte, erwarteten die Anderen immer noch den Ausgleich, der eine Verlängerung notwendig gemacht hätte. - Da plötzlich ertönte der Schlusspfiff.

Das Spiel war aus und Flörsheim verdienter Sieger.

Übereinstimmend berichteten die Frankfurter Blätter von der schönen Leistung der Flörsheimer. Es sind jetzt noch 5 Gegner übrig. Wir wollen sehen wer der nächste ist.

„Flörsheimer Nachrichten" vom 23. Mai 36.

Nachlese zum großen Sportverein-Sieg.

Mit Freuden haben wir festgestellt, das neben der Sportpresse, gerade die Frankfurter Blätter einstimmig von einem „verdienten Siege" der Flörsheimer schrieben. Überhaupt waren alle Berichte sehr objektiv, was wir Flörsheimer von anderen Städten, in denen wir schon spielten, noch nie sagen konnten. -

Zweck, Energie und Kameradschaft siegte über Technik, Erfahrung und Klasse! Dieser Satz charakterisiert wohl am Besten das 2:1. - Mit reinem Flügelspiel und exaktem Flankenschlag hat die Sportvereins Elf mehr denn einmal große Gegner geschlagen. Der Mannschaft liegt dieses System und es muss in jeder Beziehung beigehalten und gefördert werden. -

Dass die raumgreifenden Vorlagen und Flankenwechsel so exakt gelangen, war dem herrlichen, ebenen Platz der Eintracht zu verdanken. Bei richtiger Pflege des hiesigen Spielfeldes (Beseitigung aller Unebenheiten, kurzer Rasen) wären alle Mannschaften des SV 09 bessere Techniker. So hängt es vom Zufall ab, ob der Ball hinkommt, wohin er soll. - Bei dem nächsten Pokalspiel, das wahrscheinlich hier stattfindet, sollte das Spielfeld, wie die gesamte Platzanlage und die Jahnstraße in einen guten Zustand versetzt werden, da voraussichtlich mit einem Massenbesuch von auswärts gerechnet werden kann. Die 11 Spieler müssen sich befleißigen durch konsequentes Training in „Form" zu bleiben. Unnötige Spiele müssen unterbleiben, will die Elf nochmals eine Großleistung vollbringen. - Nicht nur für den SV 09, auch für ganz Flörsheim war der Sieg in Frankfurt ein Erfolg, der den Namen unseres Ortes in Südwestdeutschland in gutem Licht erstrahlen ließ.

Nicht ausruhen -„weiter kämpfen", heißt die Parole!

„Flörsheimer Nachrichten" vom 28. Mai 1936.

Das große Pokalspiel am 14. Juni.

SV 09 Flörsheim - SV Waldhof.

Das Deutschlands Stürmer Siffling mit seinen Mannen am kommenden Sonntag auf dem Flörsheimer Sportplatz zur Ausscheidung um den v. Tschammer-Pokal antreten, ist nun in und um Flörsheim allgemein bekannt. Es ist dem Gegner nach geurteilt, das größte Spiel, das je in unseren Mauern zum Austrag kam. Das Interesse im Ort ist riesig. Waldhof bildet das Tagesgespräch. Aber nicht nur hier, nein, auch die ganze Umgebung sieht diesem Treffen gespannt entgegen. Wir hörten Sportler aus Sindlingen, Hofheim, Biebrich, Mombach, ja selbst aus Groß Gerau, von den näher liegenden Orten ganz zu schweigen, die allesamt bei gutem Wetter nach Flörsheim kommen werden. Wir sind der Oberzeugung, dass bei gutem Wetter der Zuschauerraum des Sportplatzes zu klein sein wird. Deshalb hat auch die Vereinsleitung des SV 09 zum 1. Male ca. 500 Sitzplätze geschaffen neben sonstigen Möglichkeiten um mehr Personen unterzubringen und dabei jedem gute Sichtmöglichkeit zu gewährleisten. Alle, die nach hier kommen werden, sind unsere Gäste. Sportler sind nicht verwöhnt, nehmen dafür aber jede Gastfreundschaft desto dankbarer auf. Und darauf sollten alle Flörsheimer ihr Augenmerk richten. Unsere Gastfreundschaft ist bekannt, deshalb wollen wir sie allen Gästen aus Nah und Fern freudig entgegenbringen im Interesse unseres Heimatortes. Begeisterung, mit ein wenig Fanatismus gepaart, besitzen alle Sportler. Diese Begeisterung ist es auch, die jeden Sonntag Abertausende auf die Sportplätze treiben. Bei der stattlichen Zahl „Neutraler" am kommenden Sonntag wollen wir gerade gegen Waldhof darauf achten, dass die „Begeisterung" in sportlichen Grenzen bleibt Anerkennen, was gut ist und verurteilen, was schlecht ist oder sich nicht gehört - ob es in der Flörsheimer oder der Waldhöfer Elf geschieht. - Das zeigt den wahren Sportler und so soll es sein. Immer soll sich jeder hiesige Zuschauer vor Augen halten hier Bezirksklasse - dort Gauliga-Meister 1936 von Baden, Teilnehmer um die deutsche Fußballmeisterschaft! Unsere Flörsheimer Elf leistet was sie kann, das hat sie in der letzten Zeit wiederholt bewiesen. Wir wollen ihr vertrauen und dankbar sein, einen so großen Gegner nach hier gebracht zu haben!

„Flörsheimer Nachrichten" vom 10. Juni 1936.

SV 09 verlor ehrenvoll 0:1!

„Ca. 3000 Zuschauer sahen den Gaumeister Waldhof in seinem heroischen Kampfe mit den tapferen Flörsheimern bei Donner, Blitz und Wolkenbruch!

Gegen 8 Gegner hatte sich die 1. Elf des hiesigen Sportvereins in den Spielen um den ,,Tschammer-Pokal" durchgesetzt. Selbst die „Eintracht“ Frankfurt blieb in kompletter Aufstellung auf der Strecke. Badens Gaumeister SV Waldhof war das große Geschenk, welches das Fachamt Fußball den wackeren Flörsheimern als nächsten Gegner vorsetzte. Die Freude im Flörsheimer Lager war darob gewaltig. Man gab sich deshalb seitens der Vereinsleitung des SV 09 alle erdenkliche Mühe, den sich bietenden Umständen gerecht zu werden. Das Feld war durch abmähen in einem anerkennenswertem Zustande und gegen den erwarteten Massenbesuch hatte man durch Sitzplätze bessere Sichtmöglichkeiten geschaffen. Die Organisation des An- und Abmarsches der Tausende auf der schmalen Jahnstraße klappte vorzüglich. Gäste und Besucher nahmen dies Alles dankbar hin. Und wenn man gestern in den Tageszeitungen über Vorbereitung und Spiel las, so mag dies alle Mühen der Vereinsleitung entgelten. Schade, dass das hereinbrechende Gewitter 20 Minuten vor Beginn das Spielfeld total aufweichte und so die Leistungen beider Mannschaften sehr beeinflusste. Hunderte verließen fluchtartig, durch und durch nass, die Kampfstätte. Dennoch hielten ca. 2000 unentwegt aus. Mit zehn Minuten Verspätung begann das Spiel. Die Mannschaften standen wie angekündigt: Der SV Waldhof mit: Dran; Fässler, Model; Molenda, Heermann, Kuhn; Weidinger, Schneider Siffling, Pennig, Günderoth. Der SV 09 mit: Eckert; Wagner K., Dienst; Blisch, Hartmann, Horas; Becker, Staubach, Ruppert Jos., Wagner H., Rath. Als Schiedsrichter fungierte Ketterer, Hanau. Flörsheim hatte Anstoß, kam indes in, mit dem Ball nicht weit, der dem Gästerechtsaußen zugespielt wurde. Blitzschnell flankte derselbe zur Mitte, wo auch schon der Linksaußen in schnellem Spurt - über das Tor knallte. Beide Angriffsreihen suchten eine schnelle Entscheidung herbeizuführen, wodurch manch schöne Aktion etwas überhastet abgeschlossen wurde. Flörsheims Sturm brachte den Ball auf der rechten Seite gut vor. Becker flankte zur Mitte, Rath stürmte herbei um die Gelegenheit auszunützen, aber Waldhofs Torhüter war schneller und nahm den Ball auf. Die Gäste, insbesondere Mittelläufer Heermann und Siffling jagten immer wieder die Flügelstürmer zum Angriff vor. Plötzlich, es war in der 10. Minute, Horas machte durch den glatten Boden einen Schnitzer, Siffling springt dazwischen und schießt mit halbhohem Schuss das erste und einzige Tor. Für Minuten waren die Flörsheimer deprimiert, um dann aber wieder unermüdlich schaffend, bald anzugreifen oder abzuwehren. Blitz und Donner spende­ten oftmals Beifall. Unaufhörlich prasselte der Regen nieder. Gemeinsame Kombinationen wurden immer seltener. Der Kampf Mann gegen Mann um Ball und Raum herrschte vor. Der Abbruch des Spiels wurde erwartet, doch der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Man kann es den Spielern nur hoch anrechnen, dass sie, keinen trockenen Faden mehr am Leibe, dabei hochanständig und ritterlich durchhielten. Zu Beginn der 2. Halbzeit lag der Ausgleich verschiedentlich in der Luft. Dranß im Gästetor zeigte sich dabei als sicherer Hüter. Auf der anderen Seite war Ekkert wieder und wieder der rettende Engel. Erst gegen Schluss waren die Gäste für Minuten drückend überlegen. Es blieb indes beim 0:1. Ehrenvoll blieb Flörsheim geschlagen von einem Gegner der zu den besten deutschen Mannschaften zählt. - Bei den Gästen sah man die bessere Klasse in den schnelleren Starts, der Körperbeherrschung und dem systemvollen Gesamtspiel. Siffling und Heermann zeigten sich als große

Techniker. - Flörsheims Mannen wuchsen an ihrem Gegner und zeigten manch schönes „Kabinettstückchen". Der ehrliche Zuschauer war zufrieden. Eckert, Karl Wagner und Hartmann galten als die Stützen der Elf. Die Übrigen bemühten sich durch Fleiß zu gefallen.

„Flörsheimer Nachrichten" vom 16. Juni 1936.

„Domols uff ein Sportplatz neberm alte Friedhof".

Das der ehemals an der Jahnstraße, direkt neben dem Friedhof, liegende Sportplatz, während eines Fußballspiels, nach der Meinung des Einen oder Anderen Friedhofbesuchers, wie im Mirjam Kapitel „das Attentat" beschrieben, „ die Ruh von de Verblichene stört! " und das ganz besonders während einer gleichzeitig stattfindenden Beerdigung, ist durch einen Brief des Bürgermeisters an den Vorstand des SV 09 belegt.

Dokumentenabschrift:

Die Polizeiverwaltung Flörsheim/Main, den 28. März 1929

Der Bürgermeister

An den

Sportverein 09

z. Hd. des Vorsitzenden Conradi

Hier Untermainstraße

Von verschiedener Seite wurde Klage geführt, dass bei Beerdigungen die Spiele auf dem Sportplatz störend auf die Trauerfeier wirken. Besonders bei der letzten Beerdigung am verflossenen Sonntag machte sich dies ungemein bemerkbar. (Laute Zurufe pp.) Ich mache Sie dringend darauf aufmerksam, dass in Zukunft das Spiel, während der Trauerfeier ruhen muss, und nehme an, dass es nur dieses Hinweises bedarf, um diesen Übelstand abzustellen.

Zu den Akten. Bürgermeister Lauck

„Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, 0 Herr..." - „Goal!!!"

Treffender wie diese von Franz Bechtluft gemachte Aussage, bei der, der fast Neunzigjährige mich spitzbübisch anlächelte, kann man die Lage zwischen den sonntäglichen Sportplatz- und Friedhofsbesuchern wohl nicht zusammenfassen.

Ich hatte das Bild direkt vor Augen, Pfarrer Klein samt den traurigen Hinterbliebenen am offenen Grab, und kaum das er aus voller Brust sein: „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, 0 Herr..." betete, erhoben sich vom nahen Fußballplatz her hunderte Kehlen um seinen Satz mit einem freudig trunkenen „Goal!" zu vollenden.

Nachspiel.

Nach dem Zusammenbruch des ,,1000jährigen Reiches", erließen die Alliierten ein Verbot, dass ehemaligen Mitglieder der NSDAP und der ihr angeschlossenen Organisationen, jegliche Vereinsarbeit, aktiv wie passiv, untersagte. Dass sich der Sportverein nicht buchstabengetreu daran hielt, zeigt der nachstehende Brief, den Bürgermeister Merkel, am 1. Oktober 1945, an den Vorstand, zu Händen von Herrn Adam Greser schickte.

„Ich gab dem Vorstand und dem Verein, in einer am Samstag den 29. 9. 1945 stattgefundenen Mitgliederversammlung, Richtlinien für den Neuaufbau sämtlicher Vereine auf demokratischer Grundlage.

Ich gab Ihnen als Vorsitzenden und dem Vorstand, Spielverbot für die beiden Spieler Lorenz Ruppert und Hans Ruthardt, welche beide der SA und der NSDAP angehörten, insbesondere aber Verbot für den Spieler Hans Ruthardt. Ich machte in der Versammlung weiter darauf aufmerksam, dass wenn das Verbot nicht eingehalten würde, der Verein und der Vorstand insbesondere, die Folgen zu tragen habe. Trotz meines Spielverbots für die beiden Spieler haben Sie und der Vorstand, sich über meine Anordnung hinweggesetzt und die beiden Spieler bei dem Wettspiel Flörsheim-Nied, spielen lassen. Sie als Vorsitzender haben sich damit widersetzlich meinen Anordnungen nicht gefügt und dieses, obwohl ich Ihnen die Zusicherung gegeben habe den Fall am Montag mit der Militärregierung zu klären und Ihnen noch am gleichen Tage das Ergebnis mitzuteilen, haben Sie mir nicht nur den Weg einer klaren Entscheidung durch die Militärregierung verlegt, sondern auch gegen meine Anordnung gröblichste verstoßen.

Auf Grund Ihres undisziplinierten Verhaltens und auf Grund der gemachten Feststellung, dass der Nazigeist immer noch in der Jugend und auch zum Teil in den älteren Jahrgängen wurzelt, hat heute die Militärregierung verfügt AR dem Verein weiterhin jede sportlich Betätigung innerhalb und außerhalb der Gemeinde, ab sofort verboten ist. Ich selbst habe den Auftrag erhalten, Sie als Vorsitzenden in Haft zu nehmen. Von letzterer Maßnahme will ich Abstand nehmen, mache Sie aber darauf aufmerksam, dass Sie ab sofort den Vorsitz des Vereins niederlegen. Jede Widersetzlichkeit gegen diese Anordnung wird von der Militärregierung als Verstoß gegen ihre Anordnung und gegen ihre Befehle, entsprechend bestraft.

Bürgermeister: Merkel.

Noch ein Nachspiel.

Die vierzig Jahre andauernde Sportplatzfrage war mit dem Bau des Sportplatzes an der Opel-Brücke, erst einmal vom Tisch. Das die Sportanlage nun wirklich wie 1927 von Heinrich Dreisbach in seiner „Flörsheimer Zeitung gefordert", in der Lettengrube landete, beweist die fast schon seherischen Gabe des Verlegers und Druckereibesitzers. Das der Prophet im eigenen Land nichts gilt beweist die Entgegnung im Konkurenzblatt den „Flörsheimer Nachrichten", denn dort war im August des gleichen Jahres zu lesen:

„.... Aber nicht wie die Flörsheimer Zeitung berichtet hat: „ In die Letschkaut mit dem Sportplatz!" Nein Sportsleute, denn wenn ihr darauf warten sollt, bis das Loch als Sportplatz hergerichtet ist, dann könnt ihr warten bis zum jüngsten Tag. "

Wenn schon nicht bis zum jüngsten Tag so doch weit über ein halbes Jahrhundert war das „Schnakenloch" und die „Menschenfalle", zwei Kinder waren gerade in einem Wasserloch ertrunken, in der Diskussion. Zur Klärung der Zusammenhänge und über die Rolle des Dyckerhoffs, ein Bericht der „Flörsheimer Nachrichten" vom 5. März 1925.

Hat Flörsheim ein Recht, dass die Lettengrube ausplaniert wird?

Was fordern wir von der Firma Dyckerhoff & Söhne, Biebrich?

Seit fast fünfzig Jahren fördert die Firma Dyckerhoff die zur Herstellung ihres hochwertigen Portland-Zementes erforderlichen Rohmaterialien, größtenteils aus ihren Grubenbetrieben in Flörsheim. Dass man das hiesige Material zu schätzen weiß, beweisen die geplanten Erweiterungen der Flörsheimer Betriebe. Die in der letzten Zeit vorgenommenen Grundstücksankäufe in der Gemarkung, der auf Abrundung des Besitzes und auf Wahrung der Monopolstellung im Flörsheimer-Hochheimer getätigten Kauf des Hofgutes Falkenberg. Der Wirtschaftler, der einmal diese Dinge beleuchtet hat, wenn er einmal die Geschichte unserer Gemeinde schreiben wird, er wird staunen über die lautlose stille Politik der Familie Dyckerhoff, die ihre Firma in der Gemarkung so gesetzt hat, dass sie ruhig sagen kann:

„Schach, dem König der Gemeinde!"

Es ist nicht mehr zu ändern, wenn Dyckerhoff & Söhne von den in Flörsheim gegrabenen Schätzen nicht freiwillig einen Teil der Gemeinde zugute kommen lässt. Nach Recht und Gesetz hat Flörsheim nichts zu beanspruchen. Die Gemeinde hat allzeit die Belange des Dyckerhoff sehen Betriebes gewahrt. Was hat die Firma der Gemeinde über getan? Einer ihrer Herren hat das Volksbad gestiftet, sie hat der Gemeinde 10 000 Mark für den gerutschten Weg an ihrer Tongrube bezahlt, dafür Millionen in Flörsheim gegraben. Großzügig, wie man in Flörsheim ist, stimmte man dem damals von Biebrich gemachten Vorschlag, auf Abtretung des Neuwingertweges zu. Dafür erhielten wir das Danaer-Geschenk von 10000 Mark. Alle Rechte sind an Dyckerhoff und Söhne abgetreten.

Der Wegrutsch war im Jahre 1897. Die Zinsen umgerechnet, aus dem Wert des aus der Bruchstelle gewonnen blauen Letten, ergeben mehr als 10000 Mark. Außer einer Anzahl Arbeiter, die im Bruch „Kelbe" arbeiten und im Kolonnenakkord einen einigermaßen Lohn verdienen, sind bei Dyckerhoff & Söhne keine goldene Fische zu fangen. Die Flörsheimer Geschäftswelt spürt den hiesigen Betrieb kaum. Die Gemeinde ist durch den stillgelegten und ausgebeuteten Betrieb „Lettengrube" gehemmt und geschädigt. Der Ort kann sich nicht nach Westen erweitern, die Straßen zur neuen Mainbrücke werden kostspielig und unpraktisch werden.

Was ist zu tun?

Die Gemeindeverwaltung hat von der Firma Dyckerhoff & Söhne die sofortige Wiederherstellung des alten Zustandes am Neuwingertsweg zu fordern, außerdem die Beseitigung der Menschenfalle in der Lettengrube, in der schon einmal zwei blühende Menschenkinder den Tod fanden. Die Grube ist soweit wie möglich böschungsmäßig aufzuschütten. Die Raine sind mit schnellwuchernden Bäumen und Hecken zu bepflanzen. Das Landschaftsbild muss dort künstlich geändert werden, zu Gunsten unseres Ortes. Natürlich kostet dies Geld. Doch wer Dyckerhoff & Söhne und seine Kapitalkraft kennt, weiß, dass diese Belastung vom Werk getragen werden kann. Mittel von der Gemeinde dürfen dabei nicht in Anspruch genommen werden.

Wir hoffen, dass diese Ausführungen vorläufig genügen, dass Firma und Gemeinde einen Weg finden, um die Sache zu bereinigen. Flörsheim hat ein Recht, zu verlangen, dass diese Missstände beseitigt werden."

Bis zur Beseitigung der hier beschriebenen Missstände, dauerte es noch über zwanzig Jahre, endgültig beendet war das leidige Thema um den Schandflecken „Letschkaut" aber erst mit der Einrichtung des DJK Platzes, der im Zuge der Neugestaltung des Sportgeländes an der Opelbrücke 1962 eingeweiht wurde.

Nach Kriegsende musste sich der SV 09 für kurze Zeit wieder mit dem Schulhof der Riedschule begnügen. 1949 war der Neubeginn dann endlich gemacht und so bedankte sich die Vereinsführung am 19. Oktober des Jahres bei Bürgermeister Jakob Merkel mit nachfolgenden Zeilen.

„Nachdem das Gelände in der Lettengrube als Spielfeld seiner Vollendung entgegengeht und am Sonntag, den 9. Oktober 1949 als Auftakt die ersten Spiele stattgefunden haben - was bei der sportbegeisterten Flörsheimer Bevölkerung ungemeine Freude erregt hat - möchten wir es nicht versäumen, Ihnen hiermit eine kleine Denkschrift zu überreichen.

Alle früheren Bürgermeister, Gemeinde-Vorstände und Vertretungen haben es nicht fertiggebracht, dieses Problem zu lösen. Herr Bürgermeister Jakob Merkel, die Herren des Gemeinde-Vorstandes und der Gemeinde-Vertretung haben durch diese Tat aus dem Schandfleck Letschkaut eine Stätte geschaffen, die einst zum Schmuckstück für ganz Flörsheim werden soll.

Meine Herren, Sie haben sich nicht nur bei den heutigen, sondern auch bei allen anderen Generationen ein bleibendes und dankbares Verdienst erworben.

Allein schon, dass in Flörsheim eine bleibende Sportstätte auch für alle kommenden Generationen in diesen Größen und Ausmaßen geschaffen wurde, die zu gegebener Zeit zu einem kleinen Stadion mit ansehnlichen Anlagen ausgebaut werden kann und somit vielen Flörsheimern Sport und Spiel, Entspannung und Erholung bringen wird, verpflichtet uns, Ihnen dafür unseren aufrichtigen und herzlichen Dank auszusprechen. Es wird einmal die Sportstätte werden, die der Flörsheimer Sportjugend das gibt, was das Ziel und Streben unseres Vereines seit 40 Jahren gewesen ist. Wenn es auch zurzeit noch kein ideales Spielfeld ist, so hoffen wir, mit der weiteren Unterstützung der Gemeinde im kommenden Jahr schrittweise den Ausbau zu vervollständigen. Es wird dann ohne Übertreibung das schönste Sportfeld im ganzen Main-Taunus-Kreis werden und bei der Einweihung 1950 alle Sportler verpflichten, diesen Platz in Ehren zu halten.

Am 6. Juli 1949 begann unser Selbsthilfe-Einsatz, der nur in unserer Jubiläumswoche fünf Tage und bei der Abholung unserer siegreichen deutschen Meisterruderer einen Tag unterbrochen wurde. In dieser Zeit - vom 6. Juli bis 9. Oktober 1949 - wurden von uns 1 865 Arbeitsstunden geleistet. 11 Pferdefuhrwerke waren zum Steine abfahren und wälzen von uns eingesetzt.

Leider haben sich die übrigen Interessenten teils fast gar nicht und teils nur mittelmäßig eingesetzt, was für unsere Mitglieder eine große Belastung war. (Hier soll eingefügt werden, dass neben dem Sportverein 09, auch der „Verein für Rasensport" unter dem Vorsitz vom Adam Dörr und der Turnverein unter dem Vorsitz von Peter Jakob Duchmann, Ansprüche, zwecks Benutzung des Fußballplatzes geltend machten). Es ist dies tief bedauerlich und vom kameradschaftlichen und sportlichen Standpunkt aus nicht zu verstehen.

Wir haben unser gegebenes Wort der Gemeinde gegenüber 100%ig erfüllt. Nach all den großen Opfern, die wir gebracht haben, dürfen wir immer den Standpunkt vertreten: „Aller Einsatz bedingt volles Recht!" Damit verlangen wir kein Sonder-Recht, hoffen aber, dass Sie immer nach dem Gerechtigkeitsgrundsatz handeln werden.

Wir glauben Ihnen damit ein Dokument in die Hand gegeben zu haben, dass Ihnen und den kommenden Generationen immer als Unterlage dienen kann."

Unterzeichnet wurde die Denkschrift vom damaligen „Dreigestirn" des Sportvereins 09: Anton Konradi, Adam Schwerzel und Paul Brach.

Literaturhinweise:

Sportverein 09. Flörsheimer Zeitung, vom 20. Juli 1920

Hat Flörsheim ein Recht, dass die Lettengrube ausplaniert wird? Flörsheimer Nachrichten, vom 5. März 1927.

Lettengrube und Sportplatz. Flörsheimer Nachrichten, vom.). August 1927.

18. Stiftungsfest des Sportvereins 1909. Flörsheimer Zeitung, vom 18. August 1927.

Brief der Polizeiverwaltung, an den Vorstand des SV 09. Archiv der Stadt Flörsheim.

Sportverein schwer bestraft. Flörsheimer Zeitung, vom10. März 1932.

Zum 25jährigen Jubiläum des SV 09. Flörsheimer Zeitung, vom 23. Juni 1934,

Sensationell: Eintracht Frankfurt gegen SV 09 1:2. Flörsheimer Nachrichten, vom 23. Mai 1936.

Nachlese zum großen Sportverein-Sieg. Flörsheimer Nachrichten, vom 28. Mai 1936.

Das große Pokalspiel am 14. Juni. Flörsheimer Nachrichten, vom 10. Juni 1936.

SV 09 verlor ehrenvoll 0:1. Flörsheimer Nachrichten, vom 16. Juni 1936.

Brief des SV 09, vom 3. Juli 1928, an Bürgermeister Lauck. Archiv der Stadt Flörsheim.

Brief des Bürgermeisters Merkel, vom 1. Oktober 1945, an den Vorstand des SV 09. Archiv der Stadt Flörsheim.

Brief des SV 09, vom 16. Oktober 1949, an Bürgermeister Merkel. Archiv der Stadt Flörsheim.

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